Herz-Jesu-Feuer in Südtirol
Wenn im Frühsommer nach der Dämmerung Feuer auf Südtirols Höhenzügen erscheinen, wird ein religiöses Gelöbnis sichtbar, das seit mehr als zwei Jahrhunderten zum regionalen Festkalender gehört. Kreuze, Herzen und christliche Zeichen leuchten über Tälern und Städten. Anlass ist der Herz-Jesu-Sonntag; der geschichtliche Bezug reicht in das Jahr 1796 zurück.
Kurzfakten zu den Herz-Jesu-Feuern
- Die Bergfeuer erinnern an das Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnis von 1796.
- Vereine und Freundeskreise bereiten sie an gut sichtbaren Stellen auf Bergrücken vor.
- Holz wird oft über längere Strecken auf die Anhöhen getragen und zu Bildern angeordnet.
- Typische Motive sind Kreuze, Herzen sowie die Zeichen IHS und INRI.
- Das kirchliche Herz-Jesu-Fest liegt am Freitag der Woche nach Fronleichnam; die Feuer gehören zur örtlichen Feier am Herz-Jesu-Sonntag.
Das Gelöbnis von 1796
Als napoleonische Truppen von Oberitalien aus auf Tirol vorrückten, befand sich das Land in einer bedrängten Lage. Der Abt von Stams schlug vor, das Land und die wenig ausgebildeten Soldaten dem Heiligsten Herzen Jesu anzuvertrauen und um göttlichen Beistand zu bitten. Für den Fall eines Sieges sollte dieses Gelöbnis jedes Jahr am Herz-Jesu-Sonntag erneuert werden. Die Tiroler Truppen besiegten die Franzosen; der Herz-Jesu-Sonntag erhielt den Rang eines hohen Feiertags. Die Feuer sind eine sichtbare Form dieser Erinnerung.
Die Herz-Jesu-Verehrung ist älter als das Gelöbnis. Ihre Wurzeln liegen in der mittelalterlichen Mystik; ab dem 17. Jahrhundert förderte besonders der Jesuitenorden die Andacht. Das regionale Ritual verbindet diese religiöse Geschichte mit einer älteren Landschaftspraxis: Schon vorchristlich wurden zur Zeit der Sommersonnenwende Feuer auf Anhöhen entzündet. Später standen vielerorts Johannisfeuer nahe dem Johannistag im Kalender. Die Höhenfeuer wurden allmählich im Licht der Herz-Jesu-Verehrung neu gedeutet. Der Brauch verbindet ältere Höhenfeuer mit einer örtlich weitergeführten religiösen Tradition.
Warum der Termin jedes Jahr wechselt
Das kirchliche Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu hat kein festes Kalenderdatum. Es wird am Freitag der Woche nach Fronleichnam gefeiert, dessen Termin wiederum vom Osterfest abhängt. In Südtirol ist der Herz-Jesu-Sonntag mit der jährlichen Erneuerung des Gelöbnisses und den Bergfeuern verbunden. Deshalb liegt der Abend der Feuer im Frühsommer nicht jedes Jahr am selben Datum. Die örtlichen Bergfeuer werden am zweiten Sonntag nach Fronleichnam entzündet.
Vom Holzstoß zum leuchtenden Zeichen
Die Motive unterscheiden sich je nach Ort und Gruppe. Häufig entstehen Kreuze und Herzen; auch die Zeichen IHS und INRI werden aus Holz gelegt und entzündet. Die Arbeit beginnt lange vor dem Abend: Brennholz wird auf Bergrücken oder Gipfel getragen, dort vorbereitet und in eine klare Form gebracht. Manche Vorbereitungen verlangen stundenlange Wege bergauf. Vereine und Freundeskreise tragen die Organisation; der Aufwand selbst ist Teil des gemeinschaftlichen Brauchs.
Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Feuer entzündet. Von den Tälern aus erscheinen die Zeichen an einzelnen Hängen und Gipfeln; entlang ganzer Höhenzüge können sich mehrere Feuer wie eine Lichtlinie ausnehmen. Ritten, Sarntal, Villnösser Alm und Schlern gehören zu den Landschaftsräumen, in denen dieser Brauch gepflegt wird. Die Anordnung der Feuer folgt dem Gelände und der Arbeit der jeweiligen Gruppe.
Örtliche Ausprägungen und passende Einordnung
Das Grundmotiv ist im ganzen Land verständlich, doch Gelände und örtliche Vorbereitung prägen das Bild. Auf einem breiten Bergrücken lassen sich Zeichen anders formen als an einem einzelnen Hang. Im Gsiesertal leuchten neben den Feuerzeichen auf Höhen und Hängen auch Herzen, Kreuze und Fensterbilder an Höfen und Häusern sowie Kerzen auf Balkonen. Im Gsiesertal gehört damit auch die Dekoration der Höfe im Tal zum Festabend.
Die Feier verbindet religiöse Bedeutung mit gemeinsam geleisteter Arbeit und einem Landschaftserlebnis. Zu den Veranstaltungen in Südtirol gehören auch kirchliche Dorffeste und Erntefeste. Im Jahreslauf stehen die Feuer neben Kirchtagen, Fasnachtsbräuchen und Almabtrieben, die das Brauchtum in Südtirol prägen. Die religiöse Kultur ist ebenso in den Kirchen und Klöstern Südtirols verankert.
Beobachtung am Abend der Feuer
Im Gsiesertal sind nach Einbruch der Dämmerung sowohl die Feuerbilder an den Berghängen als auch die beleuchteten Höfe und Häuser im Tal Teil des Festabends. Wer die Feuer aus dem Tal betrachtet, erlebt das Zusammenspiel von Siedlungen und Berglandschaft. Die Sicht auf einzelne Motive richtet sich nach Gelände und Wetter; Dunkelheit macht die leuchtenden Zeichen besonders deutlich.
Häufige Fragen zu den Herz-Jesu-Feuern
Woran erinnern die Herz-Jesu-Feuer?
Sie erinnern an das Gelöbnis von 1796, als Tirol in der Bedrohung durch napoleonische Truppen dem Heiligsten Herzen Jesu anvertraut wurde. Nach dem Sieg sollte das Gelöbnis jährlich erneuert werden.
Wann werden die Feuer entzündet?
Die Feuer gehören zum Herz-Jesu-Sonntag im Frühsommer. Das kirchliche Hochfest liegt am Freitag der Woche nach Fronleichnam; weil Fronleichnam vom Osterdatum abhängt, wechselt der Termin jedes Jahr.
Welche Motive sind auf den Bergen zu sehen?
Häufig sind Kreuze und Herzen zu erkennen. Vereine und Freundeskreise legen auch die christlichen Zeichen IHS und INRI aus Holz.
Wo kann man die Feuer beobachten?
Im Gsiesertal gehören die Bergfeuer und die beleuchteten Höfe im Tal zusammen. An den Berghängen erscheinen Kreuze, Herzen und Schriftzüge; an Häusern leuchten Fensterbilder und auf Balkonen Kerzen. Weitere Feuerlandschaften sind Ritten, Sarntal, Villnösser Alm und Schlern.