Zusslrennen in Prad
Am Unsinnigen Donnerstag gehört Prad am Stilfserjoch einem lärmenden Fasnachtsbrauch: Die Zussln ziehen in weißen Gewändern und mit schweren Kuhschellen durch den Ort. Als Schimmel verkleidete Burschen und eine bäuerliche Figurenfolge machen das Zusslrennen zu einem genau choreografierten Ritual, das eng mit dem oberen Vinschgau verbunden ist.
Kurzfakten zum Zusslrennen in Prad
- Das Zusslrennen findet am Unsinnigen Donnerstag in Prad am Stilfserjoch statt.
- Die weiß gekleideten Zussln tragen bunte Papierblumen und große Kuhschellen, teils über 20 Kilogramm schwer.
- Sechs als Schimmel verkleidete Burschen begleiten den Zug.
- Auf den Fuhrmann mit seiner Goaßl folgen Sämann, bäuerliche Figuren und das Paar Zoch und Pfott.
- Das Läuten, Peitschenknallen und Sägespänewerfen gehören zum Lärm- und Bewegungsgeschehen des Umzugs.
Ein Fasnachtsbrauch aus dem oberen Vinschgau
Das Zusslrennen ist ein eigener Brauch von Prad am Stilfserjoch. Sein Zweck ist das Winteraustreiben: Das laute Läuten soll den Winter vertreiben und den Frühling aufwecken. Zugleich erinnert die Figurenfolge an bäuerliche Arbeit und den Beginn eines neuen Wachstumsjahres. Der Sämann bringt diese landwirtschaftliche Bildwelt in den Umzug.
Der Unsinnige Donnerstag ist der Donnerstag vor Aschermittwoch. Sein Kalenderdatum verschiebt sich mit dem Osterfest. Das Zusslrennen verbindet diesen festen Platz in der Fasnachtszeit mit der lokalen Tradition von Prad.
Weiße Gewänder, Blumen und schwere Schellen
Die Zussln sind von Kopf bis Fuß weiß gekleidet. Bunte Blumen aus Papier schmücken ihre Gewänder, während Kuhschellen um den Bauch hängen. Einzelne Schellen wiegen oft mehr als 20 Kilogramm. Wenn die Träger sich bewegen, entsteht ein kräftiger Klang, der den Umzug schon aus einiger Entfernung wahrnehmbar macht. Farbe, Gewicht und Geräusch gehören gemeinsam zum Erscheinungsbild der Figuren.
Der Lärm kommt nicht allein von den Glocken. Der Fuhrmann schwingt eine lange Peitsche, die Goaßl, und lässt sie mit einem Knall durch die Luft gehen. Der Sämann streut Sägespäne in die Menge – ein theatralisches Bild der Aussaat. Geräusch, Bewegung und Sägespäne prägen damit auch das Zuschauen am Straßenrand.
Schimmel und die bäuerliche Figurenfolge
Sechs weiß gekleidete Burschen verkörpern Schimmel und begleiten den Zug. Der Fuhrmann treibt das Gespann an; dahinter folgt der Sämann. Bauer und Bäuerin, Knecht und Dirn stellen die bäuerliche Arbeitswelt dar. Am Ende erscheinen Zoch und Pfott, ein ausgelassenes Paar in Lumpenkleidern. Jede Figur hat ihren Platz in der festgelegten Folge.
Der Sämann verkörpert die Aussaat, während Schellen und Peitschenknallen zum Winteraustreiben gehören. Die Rollen verbinden damit Arbeit auf dem Feld und den ersehnten Wechsel der Jahreszeiten. Die wiederkehrenden Kostüme und Figuren machen den Prader Brauch erkennbar.
Zusslrennen am 4. Februar 2027
Für die Ausgabe 2027 ist Donnerstag, der 4. Februar, angekündigt. Der Beginn ist um 14 Uhr auf dem Gonderegg in Prad vorgesehen; anschließend führt der Umzug durch das Dorfzentrum. Der Besuch ist ohne Anmeldung möglich. Schellenläuten, Peitschenknallen und Sägespäne prägen auch diese Form des Faschingsumzugs.
Was Gäste beim Zuschauen erleben
Für Zuschauer prägen vor allem das anhaltende Schellenläuten, der scharfe Knall der Goaßl und die Sägespäne in der Menge den Eindruck. Die weißen Gewänder mit ihren bunten Papierblumen heben sich vom winterlichen Dorf ab. Wer den Brauch sieht, erlebt ein lautes, nahes und bewegtes Fasnachtsschauspiel. Der wiederkehrende Termin am Unsinnigen Donnerstag und der Ortsbezug zu Prad prägen den Besuch.
Das Brauchtum in Südtirol umfasst neben der Fasnacht auch kirchliche Dorffeste und saisonale Rituale. Das Zusslrennen gehört zu den winterlichen Veranstaltungen in Südtirol. Die Herz-Jesu-Feuer verbinden dagegen im Frühsommer gemeinschaftliche Vorbereitung mit religiöser Erinnerung.
Häufige Fragen zum Zusslrennen
Wann findet das Zusslrennen statt?
Das Zusslrennen findet am Unsinnigen Donnerstag, dem Donnerstag vor Aschermittwoch, in Prad am Stilfserjoch statt. Das genaue Kalenderdatum wechselt jedes Jahr.
Was tragen die Zussln?
Sie tragen weiße Gewänder mit bunten Papierblumen sowie große Kuhschellen um den Bauch. Einzelne Schellen wiegen häufig mehr als 20 Kilogramm.
Welche Figuren gehören zum Umzug?
Sechs als Schimmel verkleidete Burschen bilden das Gespann. Ihnen folgen Fuhrmann und Sämann, Bauer und Bäuerin, Knecht und Dirn sowie Zoch und Pfott.
Warum streut der Sämann Sägespäne?
Der Sämann stellt die Aussaat sinnbildlich dar. Er wirft beim Zug Sägespäne in die Menge, während die bäuerlichen Figuren den Feldgang veranschaulichen.