Die Sage vom Lauterfresser
Nicht gerade das Lieblingsessen des Lauterfressers, er ernährte sich lieber von flüssiger Nahrung
Der „Lauterfresser“ gehört zu den bekanntesten Sagengestalten des Eisacktals. Hinter den Erzählungen steht Matthäus Perger, der im 17. Jahrhundert lebte und 1645 nach einem Hexenprozess hingerichtet wurde. Historisch belegbare Eckdaten und später ausgeschmückte Legenden müssen dabei getrennt betrachtet werden: Zaubertricks, wundersame Fluchten und schlagfertige Aussprüche gehören zur mündlichen Überlieferung.
Kurzfakten zur Sage
- Historische Person: Matthäus Perger
- Zeit: erste Hälfte des 17. Jahrhunderts
- Region: Eisacktal mit Bezügen zu Mühlbach und Rodeneck
- Beiname: „Lauterfresser“, in der Überlieferung mit flüssiger Nahrung erklärt
- Historischer Kern: Verfolgung und Hinrichtung im Jahr 1645
- Sagenmotiv: kluger Außenseiter, Heiler und vermeintlicher Zauberer
Historischer Kern und Legende
Perger soll lesen und schreiben gekonnt, als Händler und Gelegenheitsarbeiter gearbeitet und sich mit Heilmitteln beschäftigt haben. Solche Kenntnisse konnten in einer von Aberglauben und sozialer Unsicherheit geprägten Zeit Misstrauen wecken. Aussagen aus einem unter Folter geführten Hexenprozess sind keine verlässlichen Belege für die ihm zugeschriebenen Taten. Die späteren Sagen formten aus dem Verfolgten eine gewitzte Figur, die Obrigkeiten und wohlhabende Mitmenschen überlistet.
Erzählungen vom Lauterfresser
Mehrere Geschichten schildern, wie der Lauterfresser scheinbar zaubert. In einer Erzählung verkauft ein armer Gefäßmacher ein Kalb, das anschließend verschwindet. In einer anderen lässt ein abgesprochener Handgriff den Hut wie ein magisches Zahlungsmittel wirken. Ein Beobachter kauft den vermeintlichen Zauberhut und scheitert damit im nächsten Gasthaus. Diese Motive erzählen weniger von realer Magie als von List, Wunschdenken und dem Spott über Leichtgläubigkeit.
Auch die Hinrichtung wurde sagenhaft ausgeschmückt: Der Gefangene soll mehrfach entkommen oder sich in einen Strohballen verwandelt haben. Solche Episoden sind Teil der Legende, nicht der gesicherten Biografie. Gerade diese Trennung macht die Erzählung heute interessant – als Einblick in regionale Erinnerung und den Umgang mit den Hexenverfolgungen.
Schauplätze im Eisacktal
Mit der Überlieferung verbunden sind Mühlbach, Rodeneck und Schloss Rodenegg. Die Region lässt sich von Brixen aus erkunden. Weitere Geschichten stehen unter Sagen und Legenden aus Südtirol, darunter die Sage von König Laurins Rosengarten, die Sage vom Reich der Fanes und die Sage von den Wasserfräulein. Wer reale Baugeschichte ergänzen möchte, findet in der Übersicht Burgen und Schlösser in Südtirol sowie bei Südtirols Sehenswürdigkeiten weitere Ziele. Praktische Hinweise zur Reise bündelt Südtirol Urlaub planen.
Häufige Fragen
Gab es den Lauterfresser wirklich?
Ja. Matthäus Perger ist als historische Person überliefert; viele konkrete Zauberepisoden gehören jedoch zur Sage.
Warum hieß er Lauterfresser?
Der Beiname wird in der Überlieferung mit seiner Vorliebe für „lautere“, also flüssige Nahrung erklärt.
Was ist an der Geschichte gesichert?
Zu den historischen Eckdaten zählen Person, Region, Prozess und Hinrichtung 1645. Wunder und Fluchten sind Legendenmotive.
Foto: Alesya Belaya
Zusatzinformationen
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